Weinfehler

Als Weinfehler bezeichnet man Fehler im gerade geöffneten Wein, die aufgrund ihrer Vielseitigkeit schwer zu bestimmen sind. Oft werden unter einem Begriff unterschiedliche Arten verstanden oder, schlimmer noch, völlig falsch gedeutet. Die am meisten beanstandeten "Fehler" sind: Weinstein, Dépot/Trübung und Kork. Wirkliche Fehler im Wein sind sehr vielfältig in der Ursache, haben aber für den Genießer stets den Nachteil, daß der Wein fast immer ungenießbar ist



W e i n s t e i n

Wenn sich bei Weißweinen Kristalle am Flaschenboden oder sogar am Korken sammeln, so handelt es sich hierbei um eine ungefährliche und ganz natürliche Reaktion im Wein, worüber man sich keinerlei Gedanken machen muss. Chemisch gesehen handelt es sich bei diesen geschmacklosen Kristallen um Ausscheidungen der Weinsäure (Kaliumhydrogentartrat, Calciumtartrat und Calciummucat). Wenn reifes Traubengut verarbeitet wird, ist der Anteil der enthaltenen Mineralien und Säuren entsprechend höher und kann, gegünstigt durch Temperatureinflüsse, solche Kristallausscheidungen hervorrufen.



D é p o t / T r ü b u n g

Das Dépot im Wein oder eventuell vorhandene Trübung/Schwebeteilchen sind ebenfalls positiv zu betrachten, sind sie doch ein Zeichen dafür, daß der Winzer den Wein möglichst wenig gefiltert hat und somit den maximal möglichen Anteil an geschmacksbildenden Stoffen im Wein belassen hat. Sorgfältig dekantiert bzw. ausgeschenkt wird der Geschmack dadurch nicht beeinträchtigt. Andernfalls kann es beim Trinken des Bodensatzes zu einem ungefährlichen bitteren Beigeschmack kommen. Es handelt sich hierbei nämlich in erster Linie um abgebaute Tannine (Gerbstoffe), die den Wein somit weicher wirken lassen und um Reste von Farbstoffen, die eine Braunfärbung der Weine zulassen. Dépot hat also seine Berechtigung im Wein und kann im Falle des Dekantierens sogar entscheidend zum stilvollen Weingenuß beitragen!


K o r k / K o r k e n

Der Korkfehler ist der am häufigsten zu beobachtende Fehler und gleichzeitig der am häufigsten falsch gedeutete Sachverhalt. Die einfachste Form ist ein Stück abgebröselter Kork, der im Wein schwimmt und (meist) durch einen schlechten Korkenzieher hervorgerufen wird. Es ist völlig unverständlich, daß jetzt angenommen wird, der Wein sei korkkrank; zumal es derselbe (geschmacksneutrale) Kork war, der die Flasche zuvor verschlossen hielt und ständigen Kontakt zum Wein hatte. Also einfach herausfischen oder -filtern und den Wein genießen.


Weitaus schlimmer ist aber ein wirklich kranker Korken, den man leider vor dem Öffnen der Flasche nicht als solchen erkennt. Es kann sich hierbei z.B. um eine faule Stelle in der Rinde der Korkeiche gehandelt haben, die von außen nicht sichtbar war und nun den Wein durch den meistens jahrelangen Kontakt ungenießbar macht. Auch denkbar sind Fehler in der Behandlung und Verarbeitung der Korken etwa durch Chlor oder chlorhaltiges Wasser. Für den Weintrinker ist dies jedoch unerheblich: er hat auf jeden Fall einen fast immer ungenießbaren Wein vor sich, der in Geruch und Geschmack deutlich muffig und bitter ist.


W e i n f e h l e r

Geschätzte 3% aller Weine haben einen mehr oder weniger kapitalen Weinfehler in sich, der den Totalverlust des Inhaltes mit sich bringt. Nur ganz selten können erhöhte Frischluftzufuhr oder etwas Standzeit den Fehler so weit in den Hintergrund drücken, daß der Wein genießbar bleibt. In der Regel jedoch bleibt einzig der Ausguß als Alternative. Weinfehler haben viele Ursachen, deren Ursprung entweder schon im Weinberg, direkt im Lesegut, während der Weinbereitung oder bei der Behandlung der beteiligten Gerätschaften liegt.

Dies kann unter anderem sein: zu viel oder falsche Pflanzenschutzmittel, andere Einflüße auf den Weinberg wie z.B. starke Gerüche. Krankes, minderwertiges oder verunreinigtes Lesegut kann ebenso wie ungeeignete Plastiktanks zu Fehlern führen wie falsch oder zu stark mit Schwefel gereinigte Fässer. Während der Weinbereitung selber stehen selbstverständlich auch eine Reihe von Fehlerquellen zur Verfügung: falsche Schwefelung der Weine, falsches Einstellen der Säurewerte oder Temperaturen, Verunreinigungen des Weines durch mangelnde Hygiene. Ich habe hier nur in stark gekürzter Form angerissen, welche Möglichkeiten offen stehen, einem Wein dauerhaft zu schaden. Der Job eines Winzers/Kellermeisters ist eben kein Kinderspiel und erfordert viel Erfahrung. Für den Genießer ist es daher vorher nicht möglich, einen Weinfehler zu erkennen. Leider erst hinterher machen sich üble Gerüche (z.B. Sauerkraut, faule Eier, Buttersäure, Schweiß, Lösemittel, Klebstoff, ranzig, modrig, muffig) oder Geschmäcker bemerkbar (z.B. Essig, bitter, schal, abgestanden).




Wenn man also eine Flasche öffnet und meint, flüssigen Kork in der Flasche oder Kellergeruch, üble Gerüche und Geschmäcker oder faule Eier vor sich zu haben, hat man leider eine kranke Flasche erwischt, von der man sich trennen sollte. Nach zwei Stunden Wartezeit kann man sich entscheiden, ob man einen letzten Versuch wagt und probiert, ob hier ein dauerhafter Fehler vorliegt, oder sich der vermeintlich kranke Wenn doch noch erholt hat - die Chance hierzu ist aber leider nur sehr gering. Da hilft nur das Öffnen einer weiteren Flasche und das Hoffen auf weniger Pech diesmal.

aktualisiert: 07/2011 | Anregungen hier abgeben

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