Rotweine

Man muß zunächst zwischen zwei groben Gebieten trennen: dem nördlich der Gironde gelegenden LIBOURNAIS und dem südlich gelegenen MÉDOC mit dem dazugehörigen GRAVES. Im folgenden soll es um diese beiden Hauptgebiete gehen, die uns als die wichtigsten erscheinen.

Libournais

Auch hier muß man zwei grobe Einteilungen vornehmen, die sich, wie überall in Bordeaux, auf die kleinen örtlichen Gemeinden beziehen: Pomerol und St.-Emilion.


P o m e r o l

Karte vom Gebiet

Im Pomerol sind es zwei kleine Bereiche, die diesen Namen tragen und deren Geschmack trotz der geografischen Nähe zu ST.-EMILION eigenständig ist. Mit ausschlaggebend dafür ist der lehmige Boden um den Ort Pomerol herum, der in Verbindung mit der Traubensorte Merlot sehr samtige Weine ergibt. Daß dort fast ausschließlich Merlot angebaut wird, hat sich aufgrund des Bodens als positiv erwiesen und im Laufe der Zeit einen starken Eigencharakter geprägt. Die eben schon genannte Samtigkeit ist bezeichnend für den Pomerol-Wein, der zwar aufgrund der Traube kein Spitzenalter erreicht, aber dennoch zu Spitzenqualitäten reicht. Das beste Beispiel hier ist Chateau Petrus, dessen Weine zwar ungewöhnlich lagerfähig sind, im Preis aber selten unter 250,-- für einen neuen Wein rutschen. Selten zu bekommen, hat sich Petrus inzwischen zu einer Ikone des Weins gemausert. Man kann nur noch mal die Samtigkeit betonen, die in den Weinen dieser Region angenehm auffällt.


S t . - E m i l i o n

Karte vom Gebiet

Im St.-Emilion sind es gleich 5 Gemeinden, die diesen Namen in sich tragen. Zusammen mit den Pomerols umgeben sie förmlich die Stadt Libourne, die diesem Gebiet den Namen gibt. Ergänzt durch weitere kleine und zugleich unbekanntere Gebiete im Westen und im Norden ergibt sich der komplette nördliche Teil Bordeaux´s oberhalb des Flußes Dordogne. Zu jedem Wein gibt es natürlich Speisenvorschläge und separate Prädestinierungen, jedoch ist der St.-Emilion von allen der feinste, nicht nur was die Speisenkonfirmität betrifft. Deshalb kommt in vielen Fällen der richtigen Weinauswahl ein St.-Emilion vor. Das setzt natürlich voraus, daß die Qualität keine kleine Rolle bekommt; im Gegenteil: Grosse Qualitäten lassen sich hier ebenso finden wie in den anderen Gebieten auch. Oftmals werden diese Weine auch als "Einsteiger"-Weine für den angehenden Bordeaux-Trinker empfohlen, da sie im Charakter eher leicht und umgänglich wirken. Durch ihre vergleichsweise geringe Alterungsfähigkeit sind sie auch preislich sehr interessant. Uns persönlich ist deren erdige bzw "süße" Eigenschaft nicht gerade für einen Einsteiger empfehlenswert; wir würden eher zu einem klassischem Médoc der mittleren Qualitätsstufe raten, aber das ist, wie gesagt, reine Geschmackssache...




Médoc

Das Médoc ist im west-/südwestlichen Bordeaux gelegen (begrenzt durch den Fluß Gironde als zentraler Bezugspunkt) und hat als Verlängerung die Stadt Bordeaux und dahinter das Graves- sowie das Sauternes-Gebiet unterhalb der Garonne (=der südliche Flußarm der Gironde). Da Sauternes ein reines Weißweingebiet ist, fahren wir mit dem nebenliegenden Graves fort, das uns auch bei den Weißweinen begegnet.


G r a v e s

Karte vom Gebiet

Im Graves kommen sowohl Weiß- als auch Rotweine vor, die sich in Sachen Qualität und Interessantheit nichts nehmen. Im Bordeaux im übrigen das einzige Gebiet, das beide Sorten gemischt anbaut, wenn man mal von wenigen Ausnahmen im Médoc absieht. Von hier kommen Weine, die in zwei Gemeinden aufgeteilt sind und deren Qualität sich kaum voneinander unterscheidet. Es sind Weine, die allgemein als etwas unzugänglicher bezeichnet werden, da man ihnen erst ein paar Jahre Lagerung abverlangen muß, damit der volle Geschmack zur Geltung kommt. Man meint damit, daß diese Weine in der Jugend oft kantig oder grob wirken, bevor sie dann im Alter ihre wahre Größe in Form eines reifen, fruchtigen Geschmacks offenbaren. Man findet diese Weine zusammen mit denen aus dem Pomerol leider nicht ganz so häufig an, kann dann aber meist einen schönen Wein sein eigen nennen; nach ein paar Jahren.


M é d o c

Karte vom Gebiet

Zu guter letzt folgt nun das Gebiet, das mit den meisten Details aufwarten kann: das Médoc. Flächenmäßig nur noch übertroffen durch das riesige Entre-Deux-Mers-Gebiet, wird es zunächst unterteilt in das Haut-Médoc und das (Bas-)Médoc. Letzteres ist das am nördlichsten gelegene Gebiet Bordeaux´s, und bekannt für seine einfachen Bordeaux-typischen Alltagsweine. Ob das nun ein ganz einfacher AOC-Wein oder sogar ein Cru Bourgeois ist, ist in diesem Bereich preislich sowie geschmacklich immer sehr interessant; für die einfachen Qualitäten wohlgemerkt. Ansonsten beherbergt das gesamte Médoc die verschiedensten Bodenarten und ist unterteilt in insgesamt 6 Gemeinden nebst Obergemeinde Haut-Médoc. Beides zusammen sorgt dafür, daß innerhalb des Médocs viele Nuancen vorkommen, die den Wein schließlich interessanter erscheinen lassen als alle übrigen. Nicht daß die anderen schlecht wären - nein. Die größte Freude der "Abwechslung" hingegen mit all seinen schönen Feinheiten findet man aber so ausgeprägt nur im Médoc. Schließlich hat man hier auch den weitaus größten Teil aller hochklassigen Gewächse zur Verfügung. Im Geschmack läßt sich der Konsens ziehen, daß ein Médoc-Wein schon in der Jugend sehr aufregend sein kann, obwohl er ein gutes Maß an Gerbstoffen besitzt. Diese nämlich sorgen für eine gute Lagerfähigkeit und die, wenn sie ausgereizt wird, für sehr ansprechende und gut bekömmliche Tropfen.


Zusammenfassend sei gesagt, daß es keinen ultimativen Bordeaux gibt; es gibt nur gute und anders gute. Braucht man einen einfachen Wein für den täglichen Einsatz, könnte man zu einem normalen Médoc, St.-Emilion oder Graves greifen. Darf es auch schon mal etwas besonderes sein, dann kann man ruhig einen Pomerol, Haut-Médoc und auch einen gereiften Wein aus der mittleren Preisklasse probieren. Und für die seltenen und schönen Stunden empfehlen wir entweder einen gereiften Tropfen aus dem Graves oder die ohnehin etwas älteren, möglichst ausgereiften Weine aus Pomerol und Haut-Médoc.


Der von uns bevorzugte Wein kommt aus dem Médoc, der schon in der Jugend fantastisch schmeckt, und bei dem man die Vollreife schon erahnen kann...


...hier hat es uns geschmeckt!


Übrige Gebiete

Ü b r i g e  G e b i e t e

Karte vom Gebiet

Da das Gebiet Bordeaux auch noch weitere Appellationen bereithält, sollen diese hier nicht unerwähnt bleiben. Mit den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden diese bislang ziemlich unbekannten Gebiete langsam ins Bewusstsein der Genießer gerückt - und das zu recht. Hier lassen sich mitunter ziemlich schöne Überraschungen ausmachen, die teils dem Typ Bordeaux entsprechen, den man erwartet hätte. Darüber hinaus begegnet man aber immer wieder Tropfen, die vollkommen überraschen und einen neuen Stil auf den Tisch bringen und die Erfahrung, Bordeaux zu trinken angenehm bereichern. Was Langlebigkeit und absolute Spitzenqualität betrifft, wird man hier zwar nicht unbedingt fündig, jedoch sollte man auf jeden Fall ein offenes Auge haben und stets zugreifen: allzu häufig trifft man sie noch nicht an und der (noch niedrige) Preis läßt der Kaufbereitschaft oft ein lohnendes Ende.

Es handelt sich hierbei um folgende Appellationen:

  • Côte de Bourg
  • Côte de Blaye
  • Côte de Castillon
  • Côte de Francs
  • Fronsac
  • Graves-de-Vayres

aktualisiert: 07/2011 | Anregungen hier abgeben

©2011 All Rights Reserved.
Design by bordeauxonline.de