Es war einmal...

...ein Mensch vor langer Zeit im Wald unterwegs und sammelte einige Beeren, um sich und seine Höhlengenossen zu ernähren. Schon bald erreichte er seinen bewährten Sammelplatz am Waldesrand. Er nahm seinen Beutel und sammelte soviele Beeren, wie hineinpassten. Über die reichhaltige Ernte erfreut, kehrte er heim in die Höhle und ließ sein Weib die Beeren vom strauchigen Unrat befreien. Am Abend dann genoß er mit seinen Kumpanen einige dieser Beeren, doch es dürstete sie. Also quetschten sie einen großen Teil der Beeren aus und erhielten einen schmackhaften Saft, den sie auf der Glut des Feuers erwärmten. Gerade als es so lecker roch, kam ein Bär aus dem Unterholz. Der Jagdinstinkt der Männer flammte auf und sie gingen mit ihren Waffen auf ihn los. Der Kampf dauerte eine blutige lange Zeit und war so anstrengend, dass unser Held erst Tage später aus seiner Erschöpfung erwachte. Auf der Suche nach Stärkung fand er den Topf mit dem Beerensaft auf der längst erkalteten Asche. In grossen Zügen leerte er diesen, und nach kurzer Zeit überkam ihn ein noch nie erlebtes Glücksgefühl, dessen Ursprung er nur auf das Getränk zurückführen konnte. Obwohl er am nächsten Tag einen ziemlichen Brummschädel hatte, wollte er sich der Sache sicher sein und ging erneut Beeren sammeln...
Nun, so jedenfalls wurde uns der Ursprung zugetragen ;-) und so kam es auch, daß die Kunst des "Beerensaft-Verfeinerns" im Laufe der Jahrhunderte eine gewaltige Entwicklung nahm und mit der Zeit als "Weinbereitung" bekannt wurde.



...hier hat es uns geschmeckt!

Irgendwann kam dieses Getränk nach Frankreich und dort auch nach Bordeaux. Natürlich war die Zubereitung inzwischen verfeinert worden, denn viele verschiedene Kulturen hatten sich in den Jahrhunderten zuvor derer angenommen. Seit grob 10.000 sind Trauben zur Ernährung benutzt worden, seit etwa 8000 Jahren existieren Gerätschaften zur Saftgewinnung - belegt durch entsprechende archäologische Funde, vornehmlich im syrischen, persischen und ägyptischen Raum. Hinweise auf Weinbau im europäischen Raum gibt es seit etwa 3000 Jahren. Es ist jedoch nicht unbedingt falsch zu sagen, daß die Franzosen eine Regelmäßigkeit bzw. Gesetzmäßigkeit fanden, die den Wein (fast) zu dem machte, wie wir ihn heute kennen. Bordeaux hatte den Vorteil, daß der Fluß Gironde sowohl weit ins Landesinnere als auch direkt ins Meer führte. Zum einen ermöglichte dies einen komfortablen Transport innerhalb Frankreichs, zum anderen erleichterte er es, Weine aus anderen Ländern einzuführen. Diese wurden entweder als Verfeinerung benutzt oder aber, wenn von minderer Qualität, gar nicht erst ins Land gelassen. Es waren jedoch die eigenen Weine, deren Qualität bald über die Landesgrenzen hinaus bekannt und begehrt wurde. Die örtliche Bodenstruktur, das Klima und die dort benutzten Trauben waren und sind einfach eine ideale Vorraussetzung, um guten Wein zu erzeugen. Es dauerte nicht lange, und der Bordeauxwein erlangte Weltruhm. Der Ehrgeiz der Winzer trieb sie in eine Qualitäts-Klassifizierung, die sich nunmehr seit ca. 140 Jahren fast unverändert darstellt und ihre Wirkung und Zuverlässigkeit jährlich neu unter Beweis stellt. Dadurch hat der Bordeauxwein bis heute einen Status halten können, der, ehrlich betrachtet, auch gerechtfertigt ist. Man kann jedoch nicht bestreiten, daß ein gewisser Anteil des Flaschenpreises ausschließlich aus dem Weltruf resultiert. Es gibt also viele gute Tropfen neben vielen nicht so guten und einigen gar nicht guten; im Grunde nicht wesentlich anders als in anderen Ländern auch. Deswegen darf man auch ruhig mal nach netten Alternativen Ausschau zu halten. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, auch mal einen Bordeaux zu probieren, um vielleicht seine Vorteile für sich zu entdecken...

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